Editionen

Anlässlich des 10jährigen Bestehens gab die Neue Galerie Luzern (vormals Neue Galerie Schlössli Götzental, Dierikon) im Verlag Stroemfeld / Roter Stern (Basel und Frankfurt a. M.) vier Publikationen heraus. Es sind in Luzern stattgefundene Referate und Gespräche, die in der Reihe "Perspektiven der Wissenschaft, Technik, Ästhetik und Kultur", als pic Luzerner Vorlesungen und Gespräche unter dem Label "Aktuelles Denken" pic erschienen. Nach einer längeren Pause erscheint 2009 die Edition 07 Zu einer neuen Quantenphysik des Bewusstseins - Gespräche an den Grenzen der Erkenntnis. Autoren: Roy Ascott (UK), Reinhold Bertlmann (A), Ulrike Gabriel (D), Ernst von Glasersfeld (USA), Stuart Hameroff (USA), Luis Eduardo Luna (FL/BR), Josef Mitterer (A), Sir Roger Penrose (UK), Otto E.Rössler (D), Peter Weibel (A), Anton Zeilinger (A).

Die Reihe

picpicDie Reihe wird künftig mit Vorträgen und Gastreferaten aus der Schweizer Biennale zu Wissenschaft, Technik und Ästhetik weiter ausgebaut. Bis heute fanden in Luzern sieben Tagungen mit über 3000 Besucherinnen und Besuchern statt. Die Leitmotive dieser Veranstaltungen waren "Gehirn-Geist-Kultur" (1995 im Kunstmuseum Luzern) und "Liquide Visionen" (1997 im Alten Casino / Luzern), "Frontier Kommunikation: Menschen, Affen, Wale, Elektronische Netzwerke" (1999 im Alten Casino / Luzern), "Das Rätsel des Bewusstseins" (2001 im Luzerner Theater), "Raum, Zeit und Jenseits" (2003 im Luzerner Theater), "Bewusstsein und Teleportation" (2005) und "Bewusstsein und Quantencomputer" (2007, beide im Verkehrshaus der Schweiz).

pic 1997 feierte die Neue Galerie Luzern ihr 10jähriges Jubiläum. Anlässlich dieses Anlasses, der in der Luzerner Kornschütte stattfand, sprachen die Laudatio der damalige städtische Kulturbeauftragte, Ueli Habegger und der Präsident der Kunstgesellschaft Luzern, Walter Graf. Anwesend waren über 100 Gäste aus Kunst, Kultur und Wirtschaft.  Einladung (1997) 1.6 MB

Die Neue Galerie Luzern feierte anlässlich der siebten Auflage der Schweizer Biennale zu Wissenschaft, Technik und Ästhetik "Bewusstsein und Quantencomputer" (2007) ihr 20jähriges Bestehen.

Editionen 01 - 07 (1997 - 2009)

  • 01-1993 Vilém Flusser, Kommunikationsphilosoph / Gerhard Johann Lischka, Mediator und Schriftsteller. Intervention Gespräch auf CD (67') aufgenommen am 26. Mai 1991 im Schlössli Götzental, Dierikon / LU. Broschüre mit Texten der Autoren und des Herausgebers. Preis Fr. 19.- / EUR 12.80 (zuzüglich Versandspesen Fr. 5.- / EUR 3.50 für die Schweiz, übriges Europa Fr. 7.- / EUR 4.80).
  • 02-1997 Otto E. Rössler, Chaostheoretiker / René Stettler, künstlerischer Leiter Neue Galerie Luzern. Interventionen: Vertikale und horizontale Grenzüberschreitung 36 Seiten, gebunden Hardcover, CD-Format. Dieses Buch ist nicht mehr erhältlich.
  • 03-1997 Otto E. Rössler, Chaostheoretiker / Peter Weibel, Medien- und Kunsttheoretiker. Aussenwelt - Innenwelt - Überwelt 36 Seiten, gebunden Hardcover, CD-Format. Preis Fr. 15.- / EUR 10.10 (zuzüglich Versandspesen Fr. 5.- / EUR 3.50 für die Schweiz, übriges Europa Fr. 7.- / EUR 4.80).
  • 04-1997 Gerhard J. Lischka, Medientheoretiker / Peter Weibel, Medien- und Kunsttheoretiker. Engagement: Jetzt und Hier 72 Seiten, gebunden Hardcover, CD-Format. Preis Fr. 19.- / EUR 12.80 (zuzüglich Versandspesen Fr. 5.- / EUR 3.50 für die Schweiz, übriges Europa Fr. 7.- / EUR 4.80).
  • 05-1997 Friedrich Kittler, Kultur- und Medientheoretiker. Kunst und Technik 36 Seiten, gebunden, CD-Format. Preis Fr. 15.- / EUR 10.10 (zuzüglich Versandspesen Fr. 5.- / EUR 3.50 für die Schweiz, übriges Europa Fr. 7.- / EUR 4.80).
  • 06-1998 Hansjürg Buchmeier, Maler. Kunstmarkt Photo-CD mit 100 handschriftlichen Notationen zu real existierenden Bildern aus der Kunstgeschichte inkl. Original-Coverbild des Künstlers und 10-seitiger Broschüre. Systemanforderungen: PC- und Mac-tauglich. Preis Fr. 19.- / EUR 12.80 (zuzüglich Versandspesen Fr. 5.- / EUR 3.50 für die Schweiz, übriges Europa Fr. 7.- / EUR 4.80).
  • 07-2009 Roy Ascott (UK), Reinhold Bertlmann (A), Ulrike Gabriel (D), Ernst von Glasersfeld (USA), Stuart Hameroff (USA), Luis Eduardo Luna (FL/BR), Josef Mitterer (A), Sir Roger Penrose (UK), Otto Rössler (D), Peter Weibel (A), Anton Zeilinger (A). Zu einer neuen Quantenphysik des Bewusstseins - Gespräche an den Grenzen der Erkenntnis 172 Seiten, gebunden Paperback, CD-Format. Preis: Fr. 29.- / EUR 24.- (zuzüglich Versandspesen Fr. 5.- / EUR 4.- für die Schweiz, übriges Europa Fr. 7.- / EUR 5.70).
  • Alle Publikationen (ausser die vergriffene Edition 02) können über die E-Mail-Adresse der Neuen Galerie Luzern (siehe Kontakt) bestellt werden.

 

01 pic Vilém Flusser sah in der Wissenschaft eine Form der Kommunikation. Es war ihm deutlich, dass Wissenschaft sehr viel mit Kunst zu tun hat. So sei er mit der Zeit immer mehr in die Kunst abgeglitten. "Ein Zeichen von Alter", gibt er zu Bedenken, "anständige Menschen interessieren sich für Mathematik und wenn sie älter werden, dann beginnen sie sich für Kunst zu interessieren." Als alter Mann verteidigte Flusser die "Würde der Menschheit", als Mensch eines Jahrhunderts, das er als ein trauriges Jahrhundert bezeichnete. Mit Würde - einer ontologischen - waren in Flussers Gedankengebäude aber auch die Dinge dieser Welt ausgestattet. Infolgedessen machte es für ihn wenig Sinn, wie er immer wieder mit Jean Baudrillard streitend sagte, von jenen Dingen, die wir auf Computerbildschirmen zeigen, als von "Simulakren" zu sprechen. Die aus dem Computer stammenden computierten Welten hatten für ihn diesselbe ontologische Würde, wie die Welt um uns herum. Flusser erkannte im Computer, den er nie zu bedienen erlernte, das Potenzial zu einer Weltsprache: die real gewordene Utopie schierer Universalität und Fernelosigkeit. Im "Nach-Katastrophenklima" wie er es nannte, "das in den vierziger und fünfziger Jahren eingetreten ist und nach dem sich nun wie nach einem Gewitter die Luft geklärt hat", sah er die technische Schwelle des elektronischen Zeitalters, die uns erlaube anders als bisher miteinander zu leben. Vilém Flussers Begeisterung für die technische Schwelle des elektronischen Zeitalters und seiner absurden Hoffnung ist diese Audio-CD gewidmet. Die Edition ist im Sinne einer dialogischen Schaltung auch all denen gewidmet, die angesprochen sind, von den vielen im Gespräch thematisierten Fragen zu Wahrnehmung und Denken, und was ein Bild, ein Beobachter und ein Werkzeug ist.

 

02 pic In zwei Richtungen bewegt sich die Wissenschaft gegenwärtig über bisher gesteckte Grenzen hinweg vertikal und horizontal. Vertikal verläuft die Richtung der Evolution, horizontal geht es um die Überschreitung des "Schnittes", der in der physikalischen Welt auftritt. Moderne Namen für diese beiden Ansätze sind Ultraperspektive und Endophysik. Die vertikale Richtung wurde zuletzt von Teilhard de Chardin thematisiert, die horizontale von Niels Bohr. Teilhards "Punkt Omega" ist in endlicher Zeit unerreichbar, kann aber "im Sprung" eingenommen werden. Der Schlüssel ist das menschliche Lächeln, das "rührt" und ein vollkommenes Heraustreten aus der eigenen Haut ermöglicht. Ähnlich ermöglicht Bohrs Komplementaritätsprinzip den Sprung über den Graben der Endowelt mit vergleichbaren emanzipatorischen Konsequenzen.

 

03 pic Ein Gedankenspiel wird gespielt. Es kann einfach nicht sein, dass es "hinhaut", denn Wissenschaft haut nie auf Anhieb hin. Formal gesehen ist der Marxsche Begriff der Weltveränderung in der Tat der harmlosere, da damit letzten Endes nur eine Veränderung in der Welt gemeint ist. Bei diesem Gedankenspiel würde aber nicht etwas in der Welt verändert, sondern die gesamte Welt. Denn wenn es wahr wäre, dass die Welt meine Welt ist, die, obwohl sie nicht mit der Exowelt identisch ist, dennoch objektiv ist, da sie mein objektives Interface darstellt, dann würde man, indem man das Interface ändert, zum Beispiel die Quantenrealität ändern können. Eine Schrödingersche Katze, bei der das Experiment mit den beiden gleich wahrscheinlichen Ausgängen den einen Ausgang hatte, könnte durch eine mit dem anderen Schicksal ersetzt werden.

 

04 pic Die Welt ist aus Gummi. Wir merken es nur nicht, weil auch wir aus Gummi sind. Wenn man einen Gummi hat und er wird verzerrt, dann zerrt man sich mit. Politisch schaut das so aus: Alle sind im Faschismus, und es wird immer brutaler und unangenehmer. Alle werden mitgezogen; keiner merkt, dass es Faschismus ist. Eine Möglichkeit ist dann, dass man sich zum externen Beobachter macht, um von aussen zu sehen, wie der Gummi sich verzerrt. Man realisiert dann eine Deformation, als Teil des Gummis merkt man es allerdings nicht. Umgekehrt, wenn man es nicht merkt, kann man es nicht wissen. Also muss man es wissen, wenn man sagt, dass man den Gummi auch in eine andere Richtung dehnen kann. Man muss sozusagen die Wirklichkeit aus Gummi nicht nur in Richtung der Macht dehnen, nein, man dehnt sie auch in die Richtung, wo man sie gerne hätte. Der einzelne Mensch ist aufgefordert, an dieser Gummiwelt aktiv mitzuwirken.

 

05 pic Zum wahrhaft erstenmal gibt es einen Code, den digitalen, der zwischen Zahlen und Buchstaben, Zahlen und Klängen, Zahlen und Bildern keinen Unterschied mehr macht. Im Prinzip können also alle Kunstwerke und alle Medien, die die Geschichte hervorgebracht hat, im Universalmedium Computer aufgehen, wie das für Radio und Fernsehen schon sehr absehbar ist. Aber gerade wenn Computer Universalmedien werden und der Begriff Multimedia mehr als ein Schlagwort sein soll, steht ihre Theorie vor Rätseln. Kein Algorithmus kann der Informatik automatisierte Antworten auf die Frage geben, welche Optik und welche Akustik eine optimale Benutzerschnittstelle hätte. Es lässt sich zwar vermuten, dass die rechteckigen Fenster, wie sie heute auf Computerbildschirmen vorherrschen, den Angriff Mandelbrots auf Euklid nicht mehr lange überleben werden. Aber welche Komplexität, welcher Kompromiss zwischen Ordnung und Rauschen dem heiklen Verkehr zwischen Menschen und Maschinen angemessen ist, steht dahin. Womöglich muss an genau diese Leerstelle ein zweiter Brunelleschi treten und Lösungen finden, die gleichermassen mathematisch wie ästhetisch sind.

 

06 pic Heilige, Wilde, Das Personal meiner Träume, Ednas Texte, Pornoshop, Todesbilder, Picassos, Arnolfinis Spiegel, Raubkunst, Die Kommunion, Corots Kühe, Genetisches, Velasquez' Haushofmeister, Architekturkörper, Die schwarze Marilyn, Tympanogramme, Basisbilder, Karls Familie... Buchmeier fügt Bildbausteine zu neuer Ordnung und Unordnung, er montiert und demontiert; aus der Flut der Bilder destilliert er ekstatische Archive. Das Verwenden aller Techniken der Bearbeitung von Papier, unterschiedlichste Druck- und Reproduktionsverfahren, das kunsthistorische und das zeitgenössische Zitat, das Einbeziehen seiner unmittelbaren Lebens- und Arbeitswelt, Träume, Obsessionen, der erinnerte und imaginierte Körper, das Zurückgelassene und das Mitgenommene - all' diese Notationen machen Buchmeiers "Kunstmarkt" zu einem enzyklopädisch anmutenden Objekt künstlerischer Begierde (Text: Peter Stobbe).

 

07 picDie für dieses Buch ausgewählten Luzerner Gespräche zu Themen aus Naturwissenschaft, Technik und Ästhetik, legen den Fokus auf die seit einigen Jahren polemisierte Beziehung zwischen Quantenphysik und Gehirnforschung. Dabei wird für die Leserin und den Leser nachvollziehbar, wie akademische Streitgespräche als spannende Auseinandersetzung zwischen herausragenden Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen geführt werden. Aufgrund der einzigartigen Konstellation der Gespräche mit Spitzenvertretern der entsprechenden Fachgebiete – Quantenphysik, Neurowissenschaften, Philosophie, sowie Ethnologie, Medienwissenschaften und Medienkunst – sind sie als ausgezeichnete Einführung insbesondere in das schwierige Verhältnis von Quantentheorie und Neurowissenschaften lesbar.
Eine der Paradoxien, mit denen die Quantenphysik das menschliche Denken ausreizt, ist die vom österreichischen Physiker Anton Zeilinger 1997 vorgeführte Teleportation von Quantenzuständen. Den naturwissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen Kontext der Aufsehen erregenden Experimente bilden die Phänomene der Quantenverschränkung und Nichtlokalität. Im vorliegenden Buch werden diese Phänomene kontrovers diskutiert, da ihre probabilistischen Eigenschaften für die Naturwissenschaft eine echte Provokation darstellen. Das Buch gibt auch Einblicke in neue quantenphysikalische Erklärungsversuche der Wirkung von bewusstseinserweiternden Substanzen wie Ayahuasca, einem halluzinogenen Präparat aus dem Amazonasbecken. Ein Glossar mit über 90 Begriffen aus der Quantenphysik, den Neurowissenschaften und der Philosophie sowie Wissenschaftlern und Forschenden dieser Disziplinen, vermittelt den Lesenden das für das vertiefte Verständnis der Gespräche nötige Hintergrundwissen. pic Vorwort Herausgeber pic Inhalt, Ausschnitt 1. Gespräch, Ausschnitt Glossar, Autoren